Zigtausende Teilnehmer bei der zentralen Kundgebung in Bonn

Foto: Detlef Steinert

Die bundesweite Protestaktion unter dem Motto „Land schafft Verbindung“ brachte am Dienstag bundesweit Zehntausende Landwirte und Tausende Traktoren in 17 Städten auf die Straßen. An der zentralen Kundgebung in Bonn nahmen nach Polizeischätzungen 5 500 Menschen teil. Sie waren angereist aus ganz Nordrhein-Westfalen sowie den angrenzenden Bundesländern. Anlass der bundesweiten Demos sind geplante Verschärfungen der Düngeverordnung sowie das vom Bundeskabinett beschlossene Agrarpaket. Ziel der Veranstalter ist, die verantwortlichen Politiker, allen voran die für Umwelt beziehungsweise Landwirtschaft zuständigen Ministerinnen Svenja Schulze (SPD) und Julia Klöckner (CDU), zu Verhandlungen über die aktuellen agrarpolitischen Beschlüsse zu bewegen. Beide waren als Rednerinnen nach Bonn eingeladen, hatten ihre Teilnahme aber abgesagt. Eine weitere Kundgebung im Rheinland fand am Niederrhein statt. Dort machte sich ab frühmorgens ein langer Konvoi mit 300 Traktoren von Wesel auf den Weg nach Rees. In Bonn waren es laut Polizei 2 000 Traktoren, wobei die Zahl derer, die sich auf den Weg nach Bonn gemacht haben, eher höher liegen dürfte. Denn laut Polizei hatten bis Veranstaltungsende noch gar nicht alle Traktoren die Bonner Stadtgrenze erreicht.

Die Veranstalter um Maike Schulz-Broers, die in der Lüneburger Heide mit einem Landwirt verheiratet ist und jeden Tag mitbekommt, wie die Anforderungen immer mehr werden, wollten mit der Demonstration der Politik deutlich machen, dass die Landwirte zum Dialog bereit sind. Aber die Zeiten des Stillhaltens seien vorbei. „Wir rufen zu Tisch, wir bitten nicht mehr“, unterstrich Schulz-Broers. Daneben drückten weitere Landwirte aus verschiedenen Produktionsrichtungen auf der zentralen Bühne ihre Sorgen rund um Agrarpaket, Handelsabkommen, Düngerverordnung und Bauernbashing aus. In Vertretung von Agrarministerin Klöckner stellte sich Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens den Demonstrierenden. Dieser hatte aber gegenüber seinen Ausführungen dazu, dass Brüssel Deutschland bei der Düngeverordnung im Nacken sitzt und das Agrarpaket bislang nur ein Regierungsbeschluss ist, nichts Neues im Gepäck. Wie bereits eine Woche zuvor bei der vom RLV organisierten Demonstration vor dem Bundesministerium für Landwirtschaft versuchte Aeikens den Unmut zu glätten und herauszustellen, dass man in Berlin zur Landwirtschaft stehe und wolle, „dass der Beruf für die nächste Generation attraktiv bleibt“ und „die Landwirtschaft in Deutschland eine gute Zukunft hat“. Er wolle den Dialog mit der Landwirtschaft, auch mit den Veranstaltern der Kundgebung, fortsetzen. Maike Schulz-Broers fand zum Schluss allerdings deutliche Worte: „Die Zeit der Phrasen ist vorbei.“ Sie forderte von der Politik, dass „Worte über den Tag hinaus Bestand haben“ müssen, und kündigte weitere Aktionen an für den Fall, dass die Demonstrationen keine Wirkung auf die Politik haben. ds