„Zukunft gibt es nicht umsonst“

Foto: BDL

„Gemeinsam mit einer Stimme den ländlichen Raum vertreten – respektvoll im Umgang miteinander, fair in der Diskussion, engagiert, tolerant und anpackend wie bei unserer Jubiläumsaktion #landgemacht“, stellte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) Sebastian Schaller vor Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und rund 2 500 jungen Menschen aus ganz Deutschland fest. Sie waren am Sonntag vergangener Woche zur traditionellen Jugendveranstaltung des BDL auf der Grünen Woche gekommen. Schallers Amtskollegin Kathrin Muus verglich 2019 mit einer Achterbahnfahrt mit immer neuen Anforderungen an die Landwirtschaft. „Wir alle wollen eine Zukunft und die gibt es nicht umsonst“, so die BDL-Bundesvorsitzende.

Eine gute Vorlage für die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Junglandwirte müssen von ihrer Arbeit leben können. Aber wir müssen aus dieser Rechtfertigungsecke raus. Landwirte sind keine Bittsteller.“ Sie forderte ihr junges Publikum auf, mit ihr gemeinsam dafür zu sorgen, dass mehr Wertschätzung von den Verbrauchern kommt. „Wir dürfen in der Ausei­nan­dersetzung nicht in den Überschriften stecken bleiben“, sagte die Politikerin unter tosendem Beifall. „Machen Sie Druck von unten“, forderte der Präsident des Deutschen Bauernverbands Joachim Rukwied die Gäste der Jugendveranstaltung auf.

Für die Förderung von jungen Frauen macht sich der Deutsche Landfrauenverband (dlv) stark. Seine Präsidentin Petra Bentkämper stellte in der Talk­runde fest: „Frauen sind seltener Gründerinnen. Wir müssen vermitteln, mutiger zu sein und eigene Bleibeperspektiven im ländlichen Raum zu erkennen.“ Die Bundeslandwirtschaftsministerin machte Hoffnung in Sachen Digitalisierung: „60 Mio. € stellen wir zur Verfügung, um die weißen Flecken über den Feldern zu schließen. Wir wollen dahin kommen, nicht nach Haushalten zu zählen, sondern tatsächlich die ganze Fläche zu erschließen“, so Julia Klöckner. 5G gehöre an jede Milchkanne, auf jedes Feld. Nur dann rechne sich die Technik.

Mit rund 100 Gästen aus den Landeslandjugendverbänden diskutierte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am Montag vergangener Woche über den Balanceakt zwischen Freiheit und Sicherheit, Unternehmenshoheit und Geschlechtergerechtigkeit, Engagement und Politikalltag. Der BDL hatte zu seinem Jugendforum auf der Grünen Woche mit der gestandenen Politikerin eingeladen, um deren Erfahrungsschatz für die eigene Meinungsbildung zu nutzen. Mit Moderatorin und BDL-Vize Anna Hollenbach sprach die FDP-Frau über ihre skeptische Haltung zur Frauenquote und die Verantwortung von Tarifvertragsparteien und Gesetzgeber bei der ungleichen Bezahlung zwischen den Geschlechtern. Wie sie die Attraktivität von Parteien für junge Menschen beurteile, wollten andere beim BDL-Jugendforum wissen. Aus Sicht der Grundgesetz-Expertin seien Parteien – auch ihre eigene – immer noch zu verstaubt. In Sachen Digitalisierung teilt die ehemalige Justizministerin die Sorgen des BDL und der Moderatorin, dass der Ausbau immer noch viel zu langsam voranginge, obwohl eine flächendeckende Versorgung unbedingt durchzusetzen sei.

Theater aus Klötendingelbums: Das traditionelle Theaterstück der Landjugend kam diesmal aus Niedersachsen. In „Undercover in Gummistiefeln“ feiert das Dörfchen Klötendingelbums sein 700-jähriges Bestehen. Mitten in die Vorbereitungen stolpert eine junge Frau aus der Stadt. Ihr Auftrag lautet, Skandale auf dem Land aufzudecken. Anka Buse soll ihrem städtischen Pu­blikum Material liefern, um Vorurteile und Klischees über das Dorfleben zu bestätigen. Da das Gästehaus in Klötendingelbums vor Kurzem geschlossen wurde, kommt Anka spontan bei Familie Feldhus unter und erlebt dort hautnah das Familienleben mit. Durch Jungbauer Hinnerk, den Sohn des Hauses, kommt sie auch direkt in Kontakt mit der hiesigen Landjugend-Ortsgruppe und anderen Dorfbewohnern.

Dass diese Zusammenstellung allerlei Raum für Lustiges, Tiefsinniges und Bedenkenswertes liefert, dankten die begeisterten Zuschauer dem Theaterteam der Niedersächsischen Landjugend (NLJ) mit tosendem Applaus. Zum 70. Jubiläum der NLJ wird das Stück am 21. März in Verden noch einmal aufgeführt werden. BDL/ke