Die Idee, den Reichswald bei Kleve zum Nationalpark zu machen, ist für viele Ortsansässige überraschend gekommen. Wer sie forciert hat, darüber wird spekuliert. Zwar steht das Areal schon lange auf der Liste potenzieller Standorte für einen zweiten Nationalpark
in NRW. Damit gerechnet, dass das
5 100 ha große Gebiet ernsthaft infrage kommt, hat bis vor Kurzem kaum jemand. Doch in den vergangenen Wochen hat sich das immer mehr verdichtet. Befeuert werden die Spekulationen auch durch Aussagen von Landesumweltminister Oliver Krischer in einem Interview mit der NRZ, wonach „sich der Reichswald als größter zusammenhängender Staatswald am Niederrhein“ anbieten würde. Ein Grund, warum nun der Reichswald als möglicher Standort gehandelt wird, dürften massive Widerstände an anderen potenziellen Standorten sein, wie etwa dem westfälischen Eggegebirge oder dem Rothaarkamm. So hat etwa der Kreistag in Höxter sich mehrheitlich gegen die Egge als Standort positioniert.
Dabei hatten sich, schon bevor Mitglieder der NRW-Landesregierung im September den Findungsprozess für einen zweiten Nationalpark angestoßen hatten, die Landesverbände des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) sowie die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) eindeutig für die Egge starkgemacht. Schon im August bekräftigten sie in einer gemeinsamen Mitteilung, dass ein Nationalpark dort oberste Priorität haben müsse. Sie begründen das mit Verweis auf ein Gutachten von 2005. Demnach betrage die Mindestanforderung an die Größe eines Nationalparks gemäß der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), die weltweit einheitliche Kriterien für Nationalparks anstrebt, sowie dem Bundesumweltministerium 10 000 ha. Der Staatswald in der Egge sei über 12 000 ha groß und die Egge bereits weitgehend naturgeschützt. Außerdem befänden sich die beiden größten Wildnisgebiete des Landes hier.
Solche Voraussetzungen bietet der Reichswald von Kleve nicht. Ob das Gebiet somit zum Nationalpark taugt, ist deshalb strittig. Zwar ist das Waldgebiet weitgehend im Landesbesitz. Mit knapp 5 100 ha bleibt es aber hinter den Mindestanforderungen der IUCN zurück. Hinzu kommt, dass nur knapp ein Achtel der fraglichen Fläche (rund 620 ha) bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist und zudem zwei stark frequentierte Straßen das fragliche Gebiet durchschneiden. ds
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Zweiter Nationalpark am Niederrhein?
Foto: imago/Markus van Offern