Waldbauerntag: Zukunft nur mit Waldwirtschaft
„Die Bude ist voll. Das ist wichtig, weil wir der Politik ein Zeichen geben wollen.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Philipp Freiherr Heereman am Mittwoch vergangener Woche den NRW-Waldbauerntag im nahezu voll besetzten Saal der Stadthalle von Werl. Der stand in diesem Jahr unter dem Motto „Zukunft nur mit Waldwirtschaft“. Der Untertitel „Ressourcen, Einkommen, Klimastabilität“ machte dabei schon deutlich, dass es eine kleine, aber wesentliche Verschiebung der Nuancen gibt, wie auf das Thema zu schauen ist. Standen in den Vorjahren vor allem die zahlreichen Ansprüche, die an den Wald gestellt werden, im Vordergrund der Fachreferate, lag der Fokus in diesem Jahr darauf, welche Anforderungen es zu erfüllen gilt, damit der Wald diese multiplen Funktionen erfüllen kann.
Das war sicher auch dem geschuldet, dass Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Tourismus, als Gastrednerin geladen war. Er sei dankbar für ihren Besuch, denn das zeige auf, welche Bandbreite an Themen mit dem Wald verknüpft sind, stellte Freiherr Heereman fest. Der Vorsitzende des Waldbauernverbandes NRW sieht innerhalb der NRW-Landesregierung das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) unter Ministerin Silke Gorißen zwar als „unser Heimatministerium“ an. Inhaltliche Schnittstellen gibt es ihm zufolge aber auch zu mehreren anderen Ministerien: zum Beispiel dem Bauministerium, weil Wald Holz als Baustoff liefere, oder zum Innenministerium, weil dieses für die innere Sicherheit zuständig ist und Waldbrände ein riesiges Thema seien. Heereman setzte mit Blick auf diese Kompetenzverteilung auch noch eine Spitze. So sei es „eine gewisse politische Kunst, nicht zuständig zu sein“.
An die Politik richtete er aber einen unmissverständlichen Appell: „Wer es mit dem Krisenszenario Klimawandel ernst meint, darf jetzt nicht den Wald vergessen. Wer es mit dem Krisenszenario Artenschwund ernst meint, sollte jetzt besser nicht uns Waldbauern verunglimpfen. Wer es mit dem Holzbau ernst meint, sollte besser vorneweg auch uns Waldbauern im Kopf haben. Wer jetzt an den Mitteln des Aufbaus klimastabiler Wälder spart, versündigt sich an der Zukunft unserer Kinder.“ Mit Blick auf die aktuelle gesellschaftspolitische Situation fügte er noch hinzu: „Wer es mit dem gesellschaftlichen Zusammenleben wirklich ernst meint, sollte unsere ländlichen Räume ernst nehmen.“
Weiterhin stellte Heereman fest: „Unser Forst ist viel mehr als Wald. Er bietet Antworten auf all die oben gestellten Fragen: heute im Speziellen auf Ressource, Einkommen, Klimastabilität.“ Waldbau brauche dafür „keine neuen Bundesgesetze“, sondern es brauche jetzt „Freiheit zum Handeln“ und einen neuen Wald. Dabei ist die Zielrichtung Heereman zufolge klar: „Die heißt Wirtschaftswald.“
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